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Turmfalken lesen keine Drehbücher


DER STRENGE WINTER IST ÜBERSTANDEN, HAT ABER AN DEN KRÄFTEN DER TURMFALKEN GEZEHRT. DIE NUN FOLGENDE BRUTZEIT GEWÄHRT ABER LEIDER KEINE VERSCHNAUFPAUSE. DIE SUCHE NACH NAHRUNG FÜR DIE HERANWACHSENDEN KÜKEN IST EBENSO ANSTRENGEND, WETTERKAPRIOLEN GEFÄHRDEN DAS ÜBERLEBEN DES NACHWUCHSES UND DAS FAMILIENGLÜCK NIMMT DRAMATISCHE WENDUNGEN.

GNADENLOS UND GLEICHZEITIG FASZINIEREND ZEIGT SICH DER ALLTÄGLICHE ÜBERLEBENSKAMPF DER TURMFALKEN – UND ER FINDET HÄUFIG DORT STATT, WO ER AM WENIGSTEN ERWARTET WIRD: MITTEN IN DER STADT, VIELLEICHT SOGAR IN IHRER NACHBARSCHAFT.

 

Naturfilmer Mario Kreuzer zeigt, dass es lohnend sein kann, sich im geschäftlichen Alltag die Zeit zu nehmen, um nach oben zu blicken und diesen Vogel zu entdecken. Denn er und der Ornithologe Leander Khil haben sich in einem neuen Filmprojekt auf die Spur des Turmfalken gemacht.

Ihre Wahl fiel auf Wien. Zwei Brutpaare im einzigartigen Ambiente der Donaumetropole sind die Hauptfiguren der TV-Dokumentation „Turmfalken – Unsichtbare Nachbarn“.

Mit viel Geduld und großem Respekt vor den Tieren drehte das kleine Team überwiegend mit der Digiscoping-Ausrüstung von SWAROVSKI OPTIK, um die nötige Distanz zu wahren und ein unverfälschtes Ergebnis zu liefern. Das Resultat: Ihre Doku spiegelt nicht nur das Leben in all seiner Schönheit und Brutalität wider, sondern überrascht auch Vogelexperten mit verblüffenden Erkenntnissen. 

Im Interview erklärt Mario Kreuzer, wie anspruchsvolle Tierfilme mit Digiscoping realisiert werden können und in welchen Situationen das Verhalten der Turmfalken unerwartet vom Drehbuch abgewichen ist.

  

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Dokumentation über einen recht „naheliegenden“ Vogel wie den Turmfalken zu realisieren?

MARIO KREUZER: Ich wollte generell eine Doku über einen Vogel drehen. Leander Khil und ich sind dann relativ schnell auf den Turmfalken gekommen, weil wir einen gewissen Bezug zu ihm haben.

 

Einen regionalen Bezug?

KREUZER: Ich würde eher sagen einen urbanen Bezug. Für diesen Vogel muss man nicht zwangsläufig in seine ursprüngliche Heimat, ins Gebirge, fahren. Der Turmfalke lebt inzwischen praktisch vor der Haustüre, nur bemerken viele das nicht, weil in der Stadt die Aufmerksamkeit dafür fehlt. Das Interesse kann aber schnell geweckt werden, wenn dieser Beutegreifer tatsächlich einmal beobachtet wird.

 

Wie erzählen Sie die Geschichte des Turmfalken?

KREUZER: Hauptsächlich begleiten wir zwei Brutpaare in Wien. Eines davon brütet hinter einem Wappen der österreichisch-ungarischen K&K-Monarchie, das andere auf einer Blumenkiste, die jeder Witterung relativ schutzlos ausgesetzt ist. Wir vergleichen diese beiden Bruten, die Wahl ihrer Brutplätze, deren Niederlagen und Erfolge. Zusätzlich haben wir auch Turmfalken in Kärnten an spektakulären Plätzen wie z. B. dem Glocknergebiet oder am Wörthersee, im Burgenländischen Seewinkel und weiteren Locations in Österreich dokumentiert.

 

Die Brutzeit der Turmfalken steht also im Mittelpunkt des Filmes?

KREUZER: Ja. Und das, obwohl wir anfangs befürchteten, dass sie vielleicht langweilig wird. Doch das glatte Gegenteil war der Fall. Sie ist zum roten Faden geworden, weil Vieles so anders verlaufen ist, als von der Wissenschaft bislang angenommen. Zum Beispiel hat eines der beiden Brutpaare Ziesel an seine Jungvögel verfüttert, die es nur am Stadtrand gibt. Dass die Vögel so weit bis zu ihren Jagdgründen fliegen, war nicht bekannt.

 

Was war filmisch die größte Herausforderung an diesem Projekt?

KREUZER: Die größte Schwierigkeit beim Filmen lag darin, dass sich das Verhalten der Turmfalken oft stark vom Drehbuch unterschieden hat. Als eine der Kernszenen im Film wollten wir etwa die Männchen dabei zeigen, wie sie die brütenden Weibchen füttern. Das passiert in der Regel an die fünfmal am Tag. Doch bei einem Brutpaar war es so, dass das Männchen das Weibchen über einen Tag nicht gefüttert hat. Das waren Situationen, mit denen keiner gerechnet hat. Das Weibchen hat laut gerufen vor Hunger, die Passanten konnten diese Rufe nicht zuordnen. Manche glaubten gar, ein kleines Kind schreit um Hilfe. Wir mussten uns besonders in Geduld üben, um diese Szene drehen zu können. Doch genau diese Augenblicke machen den Brutverlauf so spannend.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie diese schwierigen Szenen filmen konnten?

KREUZER: Oft haben wir tagelang gewartet, damit wir, falls etwas passiert, aufnehmen können. Eine der Schlüsselszenen ist die „Mausübergabe“, bei der das Männchen mit einer Maus zum Brutplatz fliegt, um diese dem Weibchen zu übergeben – das sogenannte Brautgeschenk. Damit will er dem Weibchen den Brutplatz und sich selbst – als Partner – schmackhaft machen, aber auch zeigen, dass er für Nahrung sorgen wird – was er später nicht mehr getan hat. Dafür haben wir über Tage vom gegenüber liegenden Gebäude gefilmt und gewartet. Diese Szene ist direkt am Nistplatz höchstwahrscheinlich kein zweites Mal in dieser Form passiert.

 

Werden in Ihrer Doku auch Szenen zu sehen sein, die man so noch nie gesehen hat?

KREUZER: Ja, definitiv. Aber uns geht es nicht nur um die großen Bilder, sondern um die Geschichten. Deswegen haben wir den meisten Zeitaufwand – 30 Drehtage – am Set bei den beiden Brutpaaren in der Stadt investiert. Und ich glaube, dass wir dadurch erreicht haben, dass der Zuseher ganz nahe bei  diesen Vögeln ist und die Sequenzen auch völlig selbsterklärend, sogar ohne Off-Kommentar vom Sprecher, funktionieren würden.

 

Haben diese Bruten ihre eigene Dramatik entwickelt?

KREUZER: Ja, bei den zwei Bruten gab es insgesamt neun Eier, sechs Küken sind geschlüpft und nur drei davon haben überlebt. Das ist grundsätzlich normal in der Natur, aber wie das alles vonstatten geht und wie welches Küken überlebt bzw. nicht überlebt oder welches Ei verloren geht, das ist schon sehr spannend. Es braucht dazu keine supergenialen Drohnenaufnahmen oder dergleichen – mich interessieren da viel mehr die Emotionen.

 

Seit wann drehen Sie Naturfilme mit der Digiscoping-Ausrüstung?

KREUZER: Ich arbeite seit geraumer Zeit damit. Ich bin vor Jahren während der Produktion einer Naturfilmserie auf eine Kamera mit großem Sensor umgestiegen und hatte damals ein riesiges Objektiv, war aber mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Die Moderatorin der Sendung gab mir den Tipp zur Digiscoping-Ausrüstung von SWAROVSKI OPTIK. Das geringe Gewicht, das ganze Handling sind einfach optimal. Dazu kommen die Wasserdichtheit sowie die Tatsache, dass ich das Digiscoping-Equipment im Gegensatz zu allen anderen Objektiven nicht wie ein rohes Ei behandeln muss.

 

Für welche Situationen eignet sich die Digiscoping-Ausrüstung und wann sollte man eher zum gewöhnlichen Objektiv greifen?

KREUZER: Grundsätzlich kann mit Digiscoping alles von der Früh bis in die Dämmerung gefilmt werden. Es gibt wirklich nichts Vergleichbares, denn Objektive, die annähernd in den kleinsten Vergrößerungsbereich des Spektivs reichen, kosten ein Vielfaches. Selbst bei schwierigen Lichtsituationen (starker Bewölkung, Dämmerung) gab es nie Probleme. In diesem Zusammenhang haben Filmaufnahmen einen Vorteil gegenüber Fotografien, da diese mit geringen Belichtungszeiten arbeiten und in Kombination mit den sensiblen Sensoren auch bei extremer Vergrößerung helle Bilder liefern. Es gab für mich somit nie einen Grund auf ein anderes Objektiv zu wechseln. 

Auch bei Regen und schlechtem Wetter?

KREUZER: Kein Problem. Es ist ideal für diese Witterungsverhältnisse, weil das Spektiv wasserdicht ist. Ich muss nur die Kamera schützen. Beim Teleskop habe ich außerdem aufgrund des verhältnismäßig kleinen Durchmessers auch eine kleinere Windangriffsfläche.

 

Konnten Sie auch Makroaufnahmen mit dem Digiscoping-Equipment realisieren?

KREUZER: Für uns war es ein großer Vorteil, dass wir Makroaufnahmen aus großer Distanz machen konnten. Dadurch werden die Tiere in ihrem Verhalten nicht gestört und das ist entscheidend für mich. Die Geschichte der beiden Brutpaare ist, so unerwartet und hart sie auch erscheinen mag, wirklich so passiert. Aber dazu war es nötig, auch gewisse Szenen zu filmen und das erreicht man mit dem Digiscoping-Equipment sehr gut.

 

Wohin werden Sie Ihre zukünftigen Filmprojekte führen?

KREUZER: Man muss nicht immer zu fernen Plätzen reisen, um interessante Themen zu finden. Ich glaube, vor der Haustüre gibt es wirklich viel zu entdecken und zu erzählen. Und wenn der Zuschauer danach bewusster Dinge miterlebt, die er vorher noch nie gesehen hat, dann ist das für mich das größte Lob.

  

Die Dokumentation „Turmfalken – Unsichtbare Nachbarn“ von Mario Kreuzer und Leander Khil feierte im Winter 2017/2018 in der ORF-Wissensreihe „Universum“ ihre deutschsprachige TV-Premiere. Der Film wird in kommenden Monaten im internationalen Fernsehen sowie auf Naturfilmfestivals zu sehen sein. Nähere Infos und Termine auf www.pkmfilm.com.

Leander Khil (l.) und Mario Kreuzer (r.) bei den Dreharbeiten zur Doku „Turmfalken – Unsichtbare Nachbarn“ in Wien.

Leander Khil (l.) und Mario Kreuzer (r.) bei den Dreharbeiten zur Doku „Turmfalken – Unsichtbare Nachbarn“ in Wien.

Mario Kreuzer, geboren in Klagenfurt, arbeitet seit 25 Jahren als Natur- und Sportfilmer. Er porträtierte Skispringer wie Thomas Morgenstern und drehte für das Tiermagazin „Wildes Land“. Für seine Aufnahmen nutzt er das STX 95 und STX 65 von SWAROVSKI OPTIK.

 

Leander Khil ist Ornithologe, Fotograf und Vogelbeobachter. Er ist u.a. Autor, Vortragender, sowie Mitglied der Avifaunistischen Kommission von BirdLife Österreich. Seine aktuellen Arbeiten sind auf der Webseite www.leanderkhil.com zu finden.

 

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist eine der häufigsten Falkenarten. Alleine der europäische Bestand wird auf rund 1 Million Exemplare geschätzt. Er liebt hochgelegene Brutplätze, in Städten vorzugsweise Kirchtürme, auf Bäumen verlassene Nester anderer Vogelarten, im Gebirge gerne Felsnischen.


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